Mediensuchttherapeut(in) / Nomophobiecoach

Kursname:Mediensuchttherapeut(in) / Nomophobiecoach
Dauer:2 Wochen Intensivausbildung
Termine:Nr. 821-B1: 04. 10. 2021 bis 15. 10. 2021
Gebühr:EUR 2800,- (USt.-befreit, Ratenzahlung möglich, für die berufliche Weiterbildung steuerlich absetzbar)
Ort(e):IEK Berlin Ausbildungszentrum II, Köpenicker Straße 175, 10997 Berlin
Zertifikat:Der erfolgreiche Abschluss wird mit einem Zertifikat des IEK bescheinigt. Die erworbene Qualifikation kann grundsätzlich bundesweit namentlich geführt und z. B. in selbstständiger Arbeit, eigener Praxis oder im Angestelltenverhältnis beruflich ausgeübt werden. Die in dieser Ausbildung enthaltenen Zusatzqualifikationen “Autogenes Training” und „Stressbewältigung“entsprechen inhaltlich den qualitativen Anforderungen der Krankenkassen bzw. der Kassenärztlichen Vereinigung. Somit werden die absolvierten Unterrichtseinheiten unter der Maßgabe einer Einzelprüfung bei bestehender Grundqualifikation von den Krankenkassen hinsichtlich des § 20 SGB V (Primärprävention) bzw. von der Kassenärztlichen Vereinigung hinsichtlich des Einheitlichen Bewertungsmaßstabes im Bereich übender und suggestiver Techniken als spezifische Qualifikation grundsätzlich anerkannt.
Voraussetzungen:Offenheit, Einfühlungsvermögen, Freude am Umgang mit Menschen, Fähigkeit zur Selbstreflexion, Bereitschaft zur Entwicklung eines positiven Selbstbildes. Diese Intensivausbildung richtet sich an Menschen mit Erfahrungen in psychologischen, therapeutischen, pädagogischen, sozialpädagogischen, gesundheitlich - medizinischen, pflegenden oder helfenden Bereichen.
Sonstiges:Die jeweils 3-tägigen Ausbildungen Autogenes Training Seminarleiter(in) und Stressbewältigung Seminarleiter(in) sind in dieser Ausbildung kostenlos inkludiert und können separat zu einem beliebigem Termin Ihrer Wahl besucht werden. Bitte Decke, Kissen und warme Socken mitbringen.
Kursbeschreibung als PDF:

Hintergrund

Mit dem gesellschaftlichen Wandel des ausgehenden 18. Jahrhunderts wurde das junge Bürgertum in Europa mit bislang unbekannten Erscheinungen konfrontiert. Eine der gravierendsten war die Popularisierung des Lesens. Zuvor beschränkte sich die statthafte Lektüre ausschließlich auf religiöse Texte und die Tageszeitung. Angespornt durch Bildungsreformen und Aufklärung kamen nun aber auch andere Textgattungen hinzu, allem voran die Belletristik. Ähnlich wie heute reflexartig auf soziokulturelle Neuerungen reagiert wird, nahmen auch damals Väter, Lehrer, Pfarrer und andere selbsternannte Kulturschützer den Kampf auf gegen die um sich greifende „Lesesucht“, wie der Aufklärer Joachim Heinrich Campe (1746–1818) das neue, vor allem unter bürgerlichen Frauen verbreitete Phänomen bald nannte. Campe definierte die „Lesesucht“ als „auf Kosten anderer nöthiger Beschäftigungen befriedigte Begierde, sich durch Bücherlesen zu vergnügen“. Auch Ärzte reagierten auf die neue „Volkskrankheit“ und entwickelten Therapien gegen das „zügellose Bücherlesen bei der Jugend“.

Was auf uns heute rührig bis albern wirkt, zeigt sich dieser Tage in anderer Gestalt. Unlängst versuchen Wissenschaft wie Presse, das Phänomen als „Mediensucht“ zu fassen. Heute geht es natürlich nicht mehr ums Lesen von belletristischen Büchern, sondern – angepasst an die technologischen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte – ums Internet, um Computerspiele und ums Mobiltelefon. Die Kritik an Medieninnovationen ist dabei so alt wie die Menschheit. Neue Technologien lösten und lösen immer Ängste und Ohnmachtsgefühle bei denen aus, die die Neuerung nicht nachvollziehen können oder wollen. Und doch ist zumindest die aktuelle Psychologie und Therapie soweit, der Ambivalenz einer durch Gesellschaft erzeugten Reaktion („Hype“) in Bezug auf neue Störungs- und Krankheitsbilder adäquat und wissenschaftlich-nüchtern zu begegnen. Wenn auch viele der heute unter „Mediensucht“ kategorisierten Abhängigkeiten noch nicht ausreichend durch Studien belegt sind und im ICD-10 noch fehlen, lassen sich schon in Bezug auf den Umgang mit Unterhaltungsmedien bestimmte Gemeinsamkeiten herausarbeiten. Die Suchtpsychologie nennt sie substanzungebundene Abhängigkeiten, die meistens mit Symptomen wie Zwangsstörung oder Störungen der Impulskontrolle zusammengebracht werden.

 

Ziel

Die Ausbildung widmet sich allgemein den substanzungebundenen Abhängigkeiten, die durch sich wiederholende Handlungen ohne Motivation gekennzeichnet sind und von den Betroffenen nicht kontrolliert werden können. Spezifisch fokussiert die Ausbildung das Phänomen der Nomophobie (No-Mobile-Phone-Phobia) bzw. des MAIDS (Mobile and Internet Dependency Syndrome), die Begleiterscheinungen der sogenannten Handy- oder Smartphoneabhängigkeit darstellen. Mit dieser spezifischen „Mediensucht“ ist der zwanghafte Drang gemeint, mit anderen (nicht anwesenden) Personen über Telekommunikation in Kontakt treten zu müssen. Im Spannungsfeld von „Sucht“ und „Abhängigkeit“ soll immer auch die Tatsache problematisiert werden, dass beim exzessiven Umgang mit Mobiltelefonen nicht zwingend von einer Krankheit gesprochen werden kann, was wiederum nicht bedeutet, dass Betroffene keine Einschränkung der Lebensqualität durch diesen Umgang erleben. Betroffene berichten nicht selten von impulshaftem Verhalten, das die Lebensführung beherrscht und soziale, berufliche und familiäre Beziehungen negativ beeinflusst.

 

Aus dem Inhalt

  • Grundlagen der Suchtpsychologie und -therapie für Erwachsene und Kinder bzw. Jugendliche
  • Einführung in die Verhaltenstherapie
  • Einführung in die Beratungspsychologie und das Coaching
  • Substanzungebundene Abhängigkeiten und Verhaltenssüchte
  • Änderungen der Verhaltensstrukturen
  • Überblick und Vergleich substanzungebundener Abhängigkeiten (Glücksspielsucht, Computer-spielabhängigkeit, Internetabhängigkeit, Fernsehabhängigkeit, Handyabhängigkeit, Arbeitszwang, Kaufzwang, Messie-Syndrom, Hypersexualität, Sport- und Bewegungssucht)
  • Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Süchten, Abhängigkeiten und Zwängen
  • Grunddiagnose „Zwangsstörung“ und „Störung der Impulskontrolle“, Klassifikation der substanzungebundenen Abhängigkeiten im ICD-10
  • Physiologische Grundlagen, physische und psychischen Entzugserscheinungen, Kontrollverlust, Nervosität, Mangel an Entspannung, Stress
  • Kulturpsychologische Aspekte, Identitätsfindung und Medien, historische Sprach-veränderungen und Traditionsverlust, offene Welt- und Menschenbilder, Medien- und Kulturkritik
  • Testverfahren: Smartphone Addiction Scale (SAS) und Smartphone Addiction Proneness Scale (SAPS) für Jugendliche, Verfahren technologischer Selbstkontrolle
  • Geschichte und Systematik der Nomophobie und des MAIDS
  • Gruppentherapie bei Nomophobie, Gruppendynamische Psychologie, indikative Gruppen, Selbsthilfegruppen
  • Therapiepläne in Suchtherapiezentren
  • Ursachen der Sucht aufdecken
  • Argumente für und gegen Methadonprogramme
  • Mehrfachabhängigkeiten
  • Biographie und Sucht (Die therapeutische Wirkkraft der biografischen Arbeit)
  • “Trigger”: Auslöser für Mediensuchtverhalten
  • Das Selbstbild des Süchtigen
  • Gruppendynamik und Gruppenzwang
  • Suchtverhalten in Familienstrukturen und Familienkonstellationen: Familiäre Suchtfaktoren und Genetik
  • Konfrontative Methodik
  • Abstinenz oder kontrollierter Konsum
  • Abstinenz nach dem Ampelmodell
  • Strategien, den Willen zu stärken – Selbstkontrolle erlernen
  • Ersatztherapie: Lücken füllen, die durch Abstinenz entstehen
  • Kreative Lebensinhalte aus der inneren Kraft generieren
  • Ansätze aus systemischen Therapien
  • Körper- und Sporttherapeutische Verfahren
  • Gestaltungstherapeutische Therapieansätze
  • Suchttherapeutische Meditations- und Entspannungstechniken
  • Geschichte Entspannungstechniken, Stressbewältigung, Progressive Muskelrelaxation und Autogenes Training
  • Überblick über Entspannungs- und Meditationstechniken
  • Stress und Stressreaktionen, Stressbewältigung (Seminarleiterschein)
  • Theorien der Stressbewältigung aus unterschiedlichen psychologischen Perspektiven und Therapierichtungen
  • Autogenes Training Grundstufe (Seminarleiterschein)
  • Anlaufstellen für Betroffene, soziotherapeutische Unterstützung, Prävention und therapeutische Intervention
  • Beratung und Unterstützung von Angehörigen mediensuchtkranker Menschen
  • Co-Abhängigkeit
  • Gestaltung eines mediensuchttherapeutischen Therapieplanes
  • Gestaltung einer mediensuchttherapeutischen Lebensberatung
  • Ablauf und Gestaltung einer mediensuchttherapeutischen Therapiestunde
  • Rechtliches zum Therapeutenberuf, Abrechnungsmöglichkeiten mit den Krankenkassen

 

Methoden

Die Ausbildung versteht sich als Therapieangebot, das allgemeine, an die Disziplinen zurückgebundene Ansätze (etwa der Suchtpsychologie oder der allgemeinen Beratungspsychologie/ Coaching) mit dem spezifischem Blick auf ein aktuelles Phänomen verschränkt. Sie versucht dabei immer auf multifaktorielle Ursachen und Symptome einer „Mediensucht“ psychologisch sensibel zu reagieren. Als methodisches Repertoire zur Begegnung der Symptome einer „Mediensucht“ bietet die Ausbildung verschiedene Verfahren der Entspannungstechniken an, die insgesamt bei Störungen der Impulskontrolle oder bei Abhängigkeiten erfolgversprechend sind. Begleitend dazu werden in der Praxis soziale, emotionale und Alltagskompetenzen gefördert, die zur Stabilisierung vielfältigen Beziehungen beitragen. So wird sichergestellt, dass die eingesetzten Methoden und Verfahren den gesamten Lebensalltag der Betroffenen mit einbeziehen, den Leidensdruck durch „Mediensucht“ minimieren und sich so das Leben der Betroffenen umfassend positiv verändern kann. Durch Selbsterfahrungs- und Gruppenarbeit sowie einer Vielzahl an praktischen Übungen lernen die Teilnehmenden, die Selbst- und Fremdwahrnehmung abzuwägen und miteinander in Einklang zu setzen. Die Ausbildung endet mit der Durchführung einer selbst entwickelten Seminar- und Therapieeinheit. Therapieeinzelsitzungen sowie Coachingsitzungen werden im Rollenspiel mit erfahrenen Therapeut*innen und/oder Diplom-Psycholog*innen geübt und supervidiert. Gemeinsam werden die gelernten Verfahren zur Anwendung gebracht.

So melden Sie sich für eine unserer Ausbildungen an:

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Mediensuchttherapeut(in) / Nomophobiecoach

IEK Berlin Ausbildungszentrum II, Köpenicker Straße 175, 10997 Berlin

EUR 2800,- (USt.-befreit, befreit, Ratenzahlung möglich, für die berufliche Weiterbildung steuerlich absetzbar)